Traktandum 6 der Gemeindeverwaltung sieht vor, das Polizeireglement zu ändern. Hintergrund ist der Harassenlauf, der bekanntlich als Begleiterscheinung Abfallberge und einige randalierende Betrunkene hervorbrachte. Mit dem Aussprechen eines Alkoholverbotes, Betret- oder Verweilverbotes, mit der Bewilligungspflicht für Grossanlässe und mit dem Wegweisungsartikel will die Gemeinde (oder besser der Kanton) den Auswirkungen des Harassenlaufs begegnen.
Ich bin dagegen, einem Problem mit noch mehr Reglementen und Gesetzen zu begegnen und bin überzeugt, dass dies zur Folge hätte, dass sich die Teilnehmenden dagegen auflehnen würden, was wiederum eine Steigerung des Gewaltpotentials zur Folge hätte – es ist eine alte Tatsache, dass Druck Gegendruck erzeugt.
Der Harassenlauf ist nicht wie z.B. die Streetparade eine organisierte Veranstaltung mit Speis- und Getränkeverkauf (Standgebühren) und angemeldeten Teilnehmern (Wagen, die am Umzug teilnehmen und Gebühren bezahlen) mit deren Einnahmen das Litteringproblem gelöst wird. Der Harassenlauf formiert sich selbst, jeder bringt seine Bierkiste mit, verdienen tun höchstens Coop, Denner oder Tankstelle daran und deshalb kann nie ein „Veranstalter“ in Pflicht genommen werden.
Im Übrigen würde damit auch der Banntag, an dem notabene auch Alkohol konsumiert wird und das nicht zu knapp, bewilligungspflichtig. Will also die Gemeinde dem Banntag die Bewilligung erteilen, dem Harassenlauf aber nicht? Ich prognostiziere, dass die Jugendlichen aus Trotz dann erst recht Gas geben, im Sinne „denen zeigen wirs“. Da nützen weder Zäune, noch Zonenverbote, noch Androhungen.
Fazit: Ich bin bestimmt keine Freundin des Harassenlaufs. Wir müssen aber akzeptieren, dass unsere Gesellschaft solche Phänomene hervorbringt, die sich nicht mit plumpen Verboten aus der Welt räumen lassen. Verbote führen nur zu einer Verlagerung und nicht zu einer Lösung.
Mein Tipp: Situation entschärfen, Änderungsantrag ablehnen, alle 50 Meter Abfallcontainer aufstellen und aktzeptieren, dass unsere Jugendlichen einen Harassenlauf ab und an nötig haben. Kommt dazu, dass die Beseitigung der Abfallberge den Steuerzahler günstiger kommt als ein Grossaufgebot der Polizei.