15. Dezember 15. Dezember 2009
Etwas Nostalgie gefällig? Alle rund um meinen Jahrgang können sich bestimmt noch an dieses Lied erinnern:
Alles fahrt Schi
- s’Grittli mit Keilhose, satte, puderet, g’schminkt, parfümiert, stoht wie ne Kueh uff de Latte, z’mitts uff dr Piste und friert. D’Händsche hett ’s Grittli verlore, iskalt sind d’Finger vom Schnee: ’s jommeret halber verfrore: „Wie schön wär’s bim ‘Feif-o-Glogge-Tee’!“
Refr.: Alles fahrt Schi, alles fahrt Schi, Schi fahrt die ganzi Nation. Alles fahrt Schi, alles fahrt Schi, d’Mamme, dr Bappe, dr Sohn. Es git halt nüt Schöners, juhe, juhe, als Sunneschy, Bärge und Schnee. - D’Schilehrer flott demonschtriere, Slalom und Sprunglauf im Schuss. Gli wills dr Meier probiere, fliegt wiene Mählsagg uff d’Nuss. Springe uff d’Syte macht Freude: stolz seit dr Lehrer: “ ’s isch guet !“ Druff meint dr Meier bescheide: „Dr Sytesprung liegt mir im Bluet !“
Refr.: Alles fahrt Schi, alles fahrt Schi, Schi fahrt die ganzi Nation. Alles fahrt Schi, alles fahrt Schi, d’Mamme, dr Bappe, dr Sohn. Es git halt nüt Schöners, juhe, juhe, als Sunneschy, Bärge und Schnee. - D’Sässelift bringe d’Pärli uffe ins Bärgrestaurant, dört sitzt dr Köbi und’s Clärli, fröhlig im Liegstuel binand, ’s Clärli tuet salbe und schmiere, ’s liegt an dr Sunne ganz schlapp; Schüch seit’s mit zündroter Bire: „Ich fahre mit em Bähnli durab !“
Refr.: Alles fahrt Schi, alles fahrt Schi, Schi fahrt die ganzi Nation. Alles fahrt Schi, alles fahrt Schi, d’Mamme, dr Bappe, dr Sohn. Es git halt nüt Schöners, juhe, juhe, als Sunneschy, Bärge und Schnee. - Zobe bim Danz seit dr Dölf: „Samba git Vorlag in d’Bei !“ ’s Miggi macht mit bis am zwölfi, ’s gfallt em, ’s möcht gar nümme hei. Schnäll nimmt’s en Schluck vo sym Schnäpsli, git dänn im Dölf dr Räscht. Plötzlig seit es zu sym Schätzli: „Ich blib morn dr ganz Daag im Näscht !“
Refr.: Alles fahrt Schi, alles fahrt Schi, Schi fahrt die ganzi Nation. Alles fahrt Schi, alles fahrt Schi, d’Mamme, dr Bappe, dr Sohn. Es git halt nüt Schöners, juhe, juhe, als Sunneschy, Bärge und Schnee.
Hach das waren noch Zeiten… Ski-Konditionstraining in der Turnhalle des Gym-Münggestai – da war ich etwa 9. Meine erste Ski-Bindung bestand aus einem Drahtseil, das hinter dem Fersen rum mittels Schnalle nach vorne gezurrt wurde und löste sich die ganze Zeit während des Runterfahrens von den Wasserfallen (ja, dort gabs dann noch Schnee, ausser im Tunnel). Wie hatte ich mich gefreut über die erste „richtige“ Skibindung, in die man weltmännisch, ohne zutun der eigenen Hände reinstampfen konnte, sogar mit Stopper (endlich war ich den lästigen Bändel ums Bein los)! Unsere Skier hatten wir in der Werkstatt meines Vaters selber gewachst und die Kanten mit Schleifpapier abgeschliffen. Heute macht das ja alles nicht mehr so richtig Spass, so mit Helm auf der Piste und Snowboards, die links und rechts groovig an einem vorbeichillen.
Ich merke, auch ich werde älter.
11./12./13./14. Dezember 14. Dezember 2009
Zugegeben, das Ziel, 24 Tage jeden Tag etwas zu posten, scheint hochgegriffen zu sein, zumal man ja nicht Oberflächlich- oder Nebensächlichkeiten präsentieren möchte.
Zumindest heute gibt es nicht wenig zu berichten und die Welt scheint wieder etwas ins Gleichgewicht zu geraten: Berlusconi erhält einen Denkzettel und der Post-Chef Michel Kunz muss gehen. Ob ich wohl am 6. Dezember noch mehr hätte wünschen sollen, wenn denn die an diesem Tag gewünschten Wünsche in Erfüllung gehen?
10. Dezember 10. Dezember 2009
In Münggestai geschieht Seltsames. Im Briefkasten (bis jetzt ohne Gebühr) liegt ein spiralgebundenes Büchlein „Agenda 2010 – Münchenstein“. Gleich auf der ersten Seite sind alle Abfuhrdaten aufgelistet; im Kreis Ost findet die Kehrichtabfuhr dienstags und im Kreis West freitags statt. Aha, dachte ich mir, am Montag an der Gemeindeversammlung konnte Herr Lauper bloss versichern DASS und nicht WANN und durch WEN der Abfall eingesammelt werden wird im neuen Jahr (also in 21 Tagen) – über laufende Verfahren könne nicht berichtet werden. Und am Mittwoch lag der Prospekt bereits gedruckt im Briefkasten… war das jetzt ein Verwaltungsakt in Schallgeschwindigkeit? Des Rätsels Lösung findet sich auf der Homepage der Gemeinde ohne GA-Angebot:
„Die in unserer Gemeinde verteilte ‘Agenda 2010′ wird von einer privaten Firma hergestellt. Es ist uns nicht bekannt, warum diese die Information über unsere definitiven Abfuhrdaten nicht abgewartet hat (wie in anderen Jahren).“
Das Erfreuliche an dieser Medienmitteilung: Schnelle Reaktion auf eine aktuelle Begebenheit, kurze und knappe Info wie’s weiter geht UND in der Fusszeile fehlt der Dokumentenpfad. Beinahe fühlen wir uns, als hätten wir einen Blick in die Kristallkugel gewagt; diese MM erscheint erst am 17. Dezember im Wochenblatt.
Blättert man in dieser offiziell aufgemachten aber privat erstellten und von Geschäften finanzierten Broschüre weiter, fällt auf, dass mitten unter den staatlichen Institutionen wie Bauverwaltung oder Schulen ein „Institut Mathe & Co.“ aufgeführt ist auf Seite 12. Selbst als Schulrätin habe ich noch nie von diesem Angebot gehört und mit den Kontaktdaten einzig einer Handynummer wird die Sache nicht vertrauenserweckender. Nach Google-Recherche findet man zwei Namen und die Tatsache, dass eine 50-minütige Nachhilfestunde 90 Franken kostet auf Sekniveau. Dann enthält diese für die Hausfrau unentbehrliche Lektüre weiter eine Checkliste für’s Umziehen, Ausfüllen der Steuererklärung und Heiraten, nur für scheidungswillige gibts keine Tipps. Ganz zum Schluss interessiere ich mich für den Herausgeber dieses MÜNGGESTEINER Heftlis und lese erstaunt, dass die Linden-Grafik in Zuzwil die Realisation inne hatte…
P.S. Was mich aber als umwelt- und energiebewusste Einwohnerin einer Energiestadt am meisten ärgert ist die Tatsache, dass ich dieses Teil nicht einfach via Altpapier entsorgen kann, denn die metallene Spirale gehört in die Metallabfuhr, so reisse ich beinahe seitenweise die Blätter von der Spirale ab, schneide mich am scharf geschnittenen Papier in den Finger und muss zum Schluss die durchs Abreissen entstanden Papierschnitzel zusammenwischen. Alles in allem ein totaler Flop, da haben sich die inserierenden Firmen einen Bärendienst erwiesen.
P.P.S. Über den gleichentags empfangenen Ortskalender mit einem unglaublich typischen Bild von Münggestai schreibe ich nichts; ER hats schon getan und dem ist nichts hinzuzufügen.
7./8./9. Dezember 9. Dezember 2009
Herr Münch bringts wie immer auf den Punkt; ich wurde tatsächlich in den Schwarzwald mitgenommen. Ich rede zuviel an den Gemeindeversammlungen hat der Chlaus gemeint. Und ich würde zu viel an der Bauverwaltung rummäkeln, ich musste mir sagen lassen, dass die es gar nicht mögen, wenn man wunde Punkte aufzeige. Komisch, ich hatte mir gedacht, dass konstruktive Kritik erwünscht sei in dieser Gemeinde. Aber eben, Verwaltungen wollen zwar vom Volk bezahlt aber nicht kritisiert werden. Jetzt muss ich halt ein Jahr lang Post des Santichlauses beantworten (im Schwarzwald gibt es noch keine Briefkastengebühr), Ruten binden und Grätimänner backen. Jänusodenn.
An die Gemeindeversammlung habe ich meinen Klon geschickt. Das hat der SP nicht gepasst und frau musste sich fehlende Grosszügigkeit und fehlendes liberales Denken vorwerfen lassen. Immer gut, wenn der Gegner Sprüche macht – das beweist, dass ins Schwarze getroffen wurde. Übrigens wurde mein Vorschlag, das von der SP gewünschte und von der Gemeinde bezahlte und organisierte GA durch einen privat zu bildenden Verein zu organisieren, nicht angenommen; nach der Versammlung hat sich niemand bei mir gemeldet. Es scheint also den sozialdemokratischen Kolleginnen und Kollegen nicht so ernst zu sein, um auch selber mit Hand anzulegen. Dann ist es ja auch nicht so schlimm, dass der Antrag abgelehnt wurde. Oder?
6. Dezember 6. Dezember 2009
Im Schwarzwald stoht es Hüsli,
Im Schwarzwald stönd viel Bäum.
Uff aimol lytet s’ Gleggli,
Dr Santiglaus chunnt heim.
er chunnt vo villne Chinder,
er chunnt vo mängem Huus.
Sie Sagg isch läär vom schängge,
und Öpfeli sy druus.
Im Tannewald isch’s finschter,
im Tannewald het’s Schnee.
am Himmel lüchte d’Stärnli,
S’isch Wiehnachtszyt Juhee
Und, lieber Santiglaus, nimm doch bitte den Post-Chef Kunz mitsamt seiner Briefkastengebühr in den Schwarzwald mit.
5. Dezember 5. Dezember 2009
Heute ist was los in Münggestai. Neben interfamiliärem Pneuwechseln findet der traditionelle Weihnachtsmarkt im alten Dorfkern statt. Dabei wichtig natürlich das Networken mit krönendem Abschluss in der Höhle des Löwen; dem traditionellen Wildschweinessen der SVP im Mönchskeller. Dann feiert heute ein Münggestainer Gemeinderat einen runden Geburtstag. Dazu gratulieren wir ihm an dieser Stelle ganz herzlich und wünschen ihm gute Gesundheit und weiterhin ein führendes Händchen in Sachen Finanzen. Das macht er nämlich ganz gut. Ihm sei dieses Ständchen gegönnt:
Weiter starten wir an dieser Stelle mit einem Münggestainer Weihnachtsbeleuchtungswettbewerb. Die mehr oder weniger stilvollsten, kitschigsten, lustigten und einfallsreichsten Weihnachtsbeleuchtungen werden hier portraitiert – wer die meisten errät, wird Münggestainer Weihnachtsbeleuchtungswettbewerbssieger.
Es beginnt mit einem zugegebenermassen schlecht aufgenommenen Bild (ist auch nicht einfach während der Fahrt – natürlich als Beifahrerin). Wo steht dieser Weihnachtsbaum in Münggestai?
4. Dezember 4. Dezember 2009
Münggestai ist eine Energiestadt. Haben Sie das gewusst? Nein? Dann haben Sie das Wochenblatt nicht sorgfältig genug durchgelesen, denn die Bauverwaltung macht regelmässig aufmerksam auf mögliche Energiesparmassnahmen. Das ist auch richtig so, denn der Trägerverein Energiestadt empfiehlt in seinem „Werkzeugkoffer für «MEHR Kommunikation in Energiestädten» den Gemeinden mit dem Energiestadtlabel: „Energiestädte leisten gezielt Öffentlichkeits- und Medienarbeit und kommunizieren mindestens sechs Mal pro Jahr in den regionalen Medien (Presse, Radio, TV) über ihre energiepolitischen Massnahmen und erreichten Ziele.“
Diesen Ratschlag befolgt Münggestai, bez. die Bauverwaltung kontinuierlich mittels Publikation im Wochenblatt und auf der Homepage. Allerdings sind die Ratschläge, wie hier auch schon berichtet, zum Teil kurios. „ Weniger und dafür hochwertige Produkte kaufen, weniger fliegen und den Fleischkonsum einschränken.„ steht in der neusten Empfehlung vom 3. Dezember. Sind denn hochwertige Produkte per se umweltfreundlicher hergestellt worden? Werden hochwertige Produkte nur wegen ihrer Eigenschaft „hochwertig“ nur im Inland oder nahen Ausland hergestellt, legen also keine langen Transportwege zurück? Das mit dem weniger fliegen leuchtet mir ja noch ein, aber den Fleischkonsum einschränken? Das freut die Vegetarier, aber was hat das mit Energiebewusstsein zu tun, wenn man Schweizer Fleisch isst?
Laut Bauverwaltung handeln wir nur dort grün, wo es am bequemsten sei. Ich halte nichts vom Einimpfen eines schlechten Gewissens. Umweltbewusstsein ist auch eine Art von Luxus. Nur wer keine grösseren existentiellen und gesundheitlichen Probleme hat, wird sich mit der Frage des Energiesparens auseinandersetzen und sich Gedanken über seinen eigenen Energieverbrauch machen. Und, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Ich bin aufgewachsen mit Anweisungen wie:
- das Licht beim Verlassen eines Raumes zu löschen (selbstverständlich heute mit Energiesparlampen)
- nur so viel (saisongerechte) Esswaren zu kaufen, wie auch verbraucht werden
- defekte Gegenstände zu reparieren
- generell Eigenverantwortung wahr zu nehmen
Wer das anders sieht, wird sich kaum wegen der Bauverwaltung-Tipps im Fleischkonsum einschränken oder auf Ferien verzichten, deren Reiseziel nur mit dem Flugzeug zu erreichen ist.
Man soll aber nicht kritisieren, ohne Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Ich läse gerne, was die Gemeindeverwaltung auf verschiedenen Ebenen bereits unternommen hat, um dem Energiestadtlabel gerecht zu werden und wo noch Potential besteht – immer im Angesicht der angespannten Finanzlage.
P.S. Die Bauverwaltung hinterlässt immer noch den ganzen Doku-Pfad auf ihren Online-Dokumenten.
2. Dezember 2. Dezember 2009
Heute ist ein besonderer Tag, denn heute hat jemand Geburtstag, der mir sehr nahe steht und dies seit dem 2. Dezember 1971
. Ich schenke ihr einen Auszug aus „Der kleine Prinz“ und wünsche allen anderen Besuchern viel Freude beim Lesen dieser zwar sehr bekannten aber doch immer wieder lesenswerten Erkenntnissen.
DER KLEINE PRINZ
Kapitel XXI
In diesem Augenblick erschien der Fuchs:
»Guten Tag«, sagte der Fuchs.
»Guten Tag«, antwortete höflich der kleine Prinz, der sich umdrehte, aber nichts sah.
»Ich bin da«, sagte die Stimme, »unter dem Apfelbaum…«
»Wer bist du?« sagte der kleine Prinz. »Du bist sehr hübsch…«
»Ich bin ein Fuchs«, sagte der Fuchs.
»Komm und spiel mit mir«, schlug ihm der kleine Prinz vor. »Ich bin so traurig…«
»Ich kann nicht mit dir spielen«, sagte der Fuchs. »Ich bin noch nicht gezähmt!«
»Ah, Verzeihung!« sagte der kleine Prinz.
Aber nach einiger Überlegung fügte er hinzu:
»Was bedeutet das: ‘zähmen’?'«
»Du bist nicht von hier, sagte der Fuchs, »was suchst du?«
»Ich suche die Menschen«, sagte der kleine Prinz. »Was bedeutet ‘zähmen’?«
»Die Menschen«, sagte der Fuchs, »die haben Gewehre und schießen. Das ist sehr lästig. Sie ziehen auch Hühner auf. Das ist ihr einziges Interesse. Du suchst Hühner?«
»Nein«, sagte der kleine Prinz, »ich suche Freunde. Was heißt ‘zähmen’?«
»Das ist eine in Vergessenheit geratene Sache«, sagte der Fuchs. »Es bedeutet: sich ‘vertraut machen’.«
»Vertraut machen?«
»Gewiß«, sagte der Fuchs. »Du bist für mich noch nichts als ein kleiner Knabe, der hunderttausend kleinen Knaben völlig gleicht. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebensowenig. Ich bin für dich nur ein Fuchs, der hunderttausend Füchsen gleicht. Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt…«
»Ich beginne zu verstehen«, sagte der kleine Prinz. »Es gibt eine Blume… ich glaube, sie hat mich gezähmt…«
»Das ist möglich«, sagte der Fuchs. »Man trifft auf der Erde alle möglichen Dinge…«
»Oh, das ist nicht auf der Erde«, sagte der kleine Prinz.
Der Fuchs schien sehr aufgeregt:
»Auf einem anderen Planeten?«
»Ja.«
»Gibt es Jäger auf diesem Planeten?«
»Nein.«
»Das ist interessant! Und Hühner?«
»Nein.«
»Nichts ist vollkommen!« seufzte der Fuchs.
Aber der Fuchs kam auf seinen Gedanken zurück:
»Mein Leben ist eintönig. Ich jage Hühner, die Menschen jagen mich. Alle Hühner gleichen einander, und alle Menschen gleichen einander. Ich langweile mich also ein wenig. Aber wenn du mich zähmst, wird mein Leben wie durchsonnt sein. Ich werde den Klang deines Schrittes kennen, der sich von allen andern unterscheidet. Die anderen Schritte jagen mich unter die Erde. Der deine wird mich wie Musik aus dem Bau locken. Und dann schau! Du siehst da drüben die Weizenfelder? Ich esse kein Brot. Für mich ist der Weizen zwecklos. Die Weizenfelder erinnern mich an nichts. Und das ist traurig. Aber du hast weizenblondes Haar. Oh, es wird wunderbar sein, wenn du mich einmal gezähmt hast! Das Gold der Weizenfelder wird mich an dich erinnern. Und ich werde das Rauschen des Windes im Getreide liebgewinnen.«
Der Fuchs verstummte und schaute den Prinzen lange an:
»Bitte… zähme mich!« sagte er.
»Ich möchte wohl«, antwortete der kleine Prinz, »aber ich habe nicht viel Zeit. Ich muß Freunde finden und viele Dinge kennenlernen.«
»Man kennt nur die Dinge, die man zähmt«, sagte der Fuichs. »Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgend etwas kennenzulernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!«
»Was muß ich da tun?« sagte der kleine Prin.
»Du mußt sehr geduldig sein«, antwortete der Fuchs. »Du setzt dich zuerst ein wenig abseits von mir ins Gras. Ich werde dich so verstohlen, so aus dem Augenwinkel anschauen, und du wirst nichts sagen. Die Sprache ist die Quelle der Mißverständnisse. Aber jeden Tag wirst du dich ein bißchen näher setzen können…«
Am mächsten Morgen kam der kleine Prinz zurück.
»Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wiedergekommen«, sagte der Fuchs. »Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, um so glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich mich schon aufregen und beunruhigen; ich werde erfahre, wie teuer das Glück ist. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nie wissen, wann mein Herz da sein soll… Es muß feste Bräuche geben.«
»Was heißt ‘fester Brauch’?«, sagte der kleine Prinz.
»Auch etwas in Vergessenheit Geratenes«, sagte der Fuchs. »Es ist das, was einen Tag vom andern unterscheidet, eine Stunde von den andern Stunden. Es gibt zum Beispiel einen Brauch bei meinen Jägern. Sie tanzen am Donnerstag mit dem Mädchen des Dorfes. Daher ist der Donnerstag der wunderbare Tag. Ich gehe bis zum Weinberg spazieren. Wenn die Jäger irgendwann einmal zum Tanze gingen, wären die Tage alle gleich und ich hätte niemals Ferien.«
So machte denn der kleine Prinz den Fuchs mit sich vertraut. Und als die Stunde des Abschieds nahe war:
»Ach!« sagte der Fuchs, »ich werde weinen.«
»Das ist deine Schuld«, sagte der kleine Prinz, »ich wünschte dir nichts Übles, aber du hast gewollt, daß ich dich zähme…«
»Gewiß«, sagte der Fuchs.
»Aber nun wirst du weinen!« sagte der kleine Prinz.
»Bestimmt«, sagte der Fuchs.
»So hast du nichts gewonnen!«
»Ich habe«, sagte der Fuchs, »die Farbe des Weizens gewonnen.«
Dann fügte er hinzu:
»Geh die Rosen wieder anschauen. Du wirst begreifen, daß die deine einzig ist in der Welt.
Du wirst wiederkommen und mir adieu sagen, und ich werde dir ein Geheimnis schenken.«
Der kleine Prinz ging, die Rosen wiederzusehn:
»Ihr gleicht meiner Rose gar nicht, ihr seid noch nichts«, sagte er zu ihnen. »Niemand hat sich euch vertraut gemacht und auch ihr habt euch niemandem vertraut gemacht. Ihr seid, wie mein Fuchs war. Der war nichts als ein Fuchs wie hunderttausend andere. Aber ich habe ihn zu meinem Freund gemacht, und jetzt ist er einzig in der Welt.«
Und die Rosen waren sehr beschämt.
»Ihr seid schön, aber ihr sein leer«, sagte er noch. »Man kann für euch nicht sterben. Gewiß, ein Irgendwer, der vorübergeht, könnte glauben, meine Rose ähnle euch. Aber in sich selbst ist sie wichtiger als ihr alle, da sie es ist, die ich begossen habe. Da sie es ist, die ich unter den Glassturz gestellt habe. Da sie es ist, die ich mit dem Wandschirm geschützt habe. Da sie es ist, deren Raupen ich getötet habe (außer den zwei oder drei um der Schmetterlinge willen). Da sie es ist, die ich klagen oder sich rühmen gehört habe oder auch manchmal schweigen. Da es meine Rose ist.«
Und er kam zum Fuchs zurück:
»Adieu«, sagte er…
»Adieu«, sagte der Fuchs. »Hier mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.«
»Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar«, wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.
»Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig.«
»Die Zeit, die ich für meine Rose verloren habe…«, sagte der kleine Prinz, um es sich zu merken.
»Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen«, sagte der Fuchs. »Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich…«
»Ich bin für meine Rose verantwortlich…«, wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.
So schön und so wahr.



